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Mehr als 80.000 Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Hessen. Kann deren Integration funktionieren? Das wollen wir uns in den kommenden Wochen am Beispiel Neu-Isenburg anschauen - in einer Stadt, deren Willkommenskultur nicht von jedem ihrer Bürger geteilt wird.

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"Seit vier Monaten kann mein Sohn essen", sagt Frishta Faizi. Ein guter Satz. Die Lehrerin ist zufrieden. Im Deutschkurs geht es heute um Präpositionen, um Wörter wie seit, vorher und nachher. Es geht um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Vergangenheit: Für Frishta Faizi ist das Afghanistan, die Gegenwart und vielleicht auch die Zukunft ist Neu-Isenburg. Die 24-Jährige ist eine von knapp 200 Flüchtlingen in der Stadt, ihr Sohn wurde vor wenigen Monaten in einer Erstaufnahme geboren.

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"Ich bin Zahnärztin von Beruf"

Frishta Faizi aus Afghanistan.

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Die Träume von Frishta: In Sicherheit leben, Deutsch lernen und wieder in ihrem Beruf als Zahnärztin arbeiten.


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Hier hat Frishta mit anderen Flüchtlingen ein neues Zuhause gefunden. Die städtische Wohnbaugesellschaft Gewobau hat das Gebäude in der Innenstadt gekauft und saniert.

In den vergangenen beiden Jahren investierte die Gewobau etwa 2,5 Millionen Euro in den Wohnraum für Flüchtlinge - das sind etwa 15 Prozent des gesamten Investitionsvolumen der Gesellschaft.

Für Bürgermeister Herbert Hunkel zählt die Integration der Flüchtlinge zu den wichtigsten Problemen der Stadt.

 

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"Es geht darum, den Menschen eine Beschäftigung zu vermitteln"

Herbert Hunkel (parteilos), Bürgermeister von Neu-Isenburg

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Judostunde mit Flüchtlingskindern: Eine Jugendreferentin des Judo-Bundes zeigt die richtige Wurftechnik.

Viele Neu-Isenburger helfen ehrenamtlich den Flüchtlingen bei ihren ersten Schritten in der neuen Welt, machen mit ihnen Sport, organisieren Ausflüge, bieten Sprachkurse an. Die Kirchen sind aktiv, bieten Treffpunkte, helfen Schwangeren.

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Politik und Bevölkerung in Neu-Isenburg haben sich vorgenommen, die Flüchtlinge als neue Mitbürger zu begrüßen  - so scheint es.

"Welcomes-you" heißt es denn auch auf dem Plakat an der Erstaufnahme, einer Einrichtung des Landes, in dem derzeit 500 Flüchtlinge darauf warten, auf Kommunen verteilt zu werden. 

Doch die Willkommenskultur der Stadt, die einst selbst von geflüchteten Hugenotten gegründet wurde, bekommt Risse.

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Nach der Eröffnung der Erstaufnahme für Flüchtlinge im September 2015 in der ehemaligen Druckerei der Frankfurt Rundschau erhielt der Unternehmer Waldemar Horn immer wieder ungebeteten Besuch. Horn betreibt direkt neben der Erstaufnahme eine Anhängervermietung.

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"Springerstiefel, Glatzen - so wie man sich das vorstellt"

Waldemar Horn, Unternehmer

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"Ich gehe allen Gerüchten nach"

Herbert Hunkel, Bürgermeister der Stadt Neu-Isenburg

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Dann kamen die Gerüchte - verbreitet vor allem über soziale Netzwerke. Eines lautete: der Discounter Aldi habe sich entschlossen, nach Ladendiebstählen von Flüchlingen eine Filiale in der Stadt zu schließen. Eine erfundene Geschichte. Der Supermarkt dementierte die Vorfälle - von einer Schließung ist nicht die Rede.

Kriminelle Flüchtlinge? Der Neu-Isenburger Polizei machen die Neuankömmlinge nur wenige Sorgen.

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"Flüchtlinge bereiten uns wenig Arbeit"

Neu-Isenburger Polizeichef Volkmar Meyer

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"Wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen für ein gutes Miteinader"

Herbert Hunkel, Bürgermeister von Neu-Isenburg

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Kurz vor der Kommunalwahl dann erhält der Bürgermeister diesen Drohbrief. Darin werfen "Christen" der Stadt vor, zuviel für die Flüchtlinge zu tun. Der Brief endet mit einer Morddrohung gegen Kommunalpolitiker. Wer den Brief geschrieben hat, ist unklar. Die Polizei ermittelt.

Der Bürgermeister gibt sich kämpferisch. Doch er ist nicht der einzige, der Drohbriefe erhält. Auch Matthias Loesch von der evangelischen Marktplatz-Gemeinde hat welche bekommen. Der Pfarrer organisiert das "Cafe Grenzenlos" - einen Treffpunkt für Flüchtlinge und Alteingesessene -  und sorgt sich inzwischen um den Zusammenhalt der Gemeinde.

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"Wir müssen die Menschen, die noch ansprechbar sind, gewinnen"

Matthias Loesch, Pfarrer der evangelischen Marktplatz-Gemeinde.

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Bei allem Gegenwind: Die Stadt will an ihrem Integrationskurs festhalten.

Bastelstunde im Neu-Isenburger Jugendbüro. 16 Jugendliche aus Afghanistan, Somalia und Iran schneiden Papier, falten und kleben. Was da so spielerisch daherkommt, ist eine Potentialanalyse für junge Flüchtlinge. Kompetenzen sollen erfasst werden. Dazu gehören auch Praktikumstage in Unternehmen. Es geht darum herausfinden, für welche Berufe die Jugendlichen in Frage kommen.

Ein Pilotprojekt - organisiert von der Stadt und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.

Mit dabei ist auch der 22-jährige Aimal Mohsini. Er weiß schon, was er gerne machen möchte.

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"Ich möchte ein guter Apotheker werden"

Aimal Mohsini, Flüchtling aus Afghanistan

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Auch die Wirtschaft unterstützt weiter den Integrationskurs der Stadt. Rund 20 Unternehmen bieten Praktika und Hospitanzen für Flüchtlinge an, einige haben Flüchtlinge angestellt - wie etwa das Cafe Ernst.

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"Menschen haben Teilzeitarbeit gefunden und wir engagierte Mitarbeiter"

Norbert Pahl, Produktionsleiter Cafe Ernst

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Einer der in der Backstube von Cafe Ernst Arbeit gefunden hat, ist Huruy Habtemariam. Brötchen, Streusel und Gebäck - morgens um sechs geht's los. "Ich bin sehr froh, dass ich hier eine Arbeit gefunden habe", sagt der Eritreer.

In seiner Freizeit kickt der 25-Jährige bei der Spielvereinigung 03 Neu-Isenburg. Bürgermeister Hunkel würde das zu "gesellschaftlicher Teilhabe" zählen.

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Klar scheint: Die Flüchtlinge werden anständig Deutsch lernen müssen, sich qualifizieren und einen Job finden. Für viele wird das eine Herausforderung sein. Was, wenn zu viele Träume zerplatzen?

Andererseits: Was macht das mit einer Stadt, wenn plötzlich ein paar Hundert Menschen aus einem fremden Kulturkreis dazu gehören? Was, wenn die Stimmung in der Bevölkerung tatsächlich kippt? Bei der Kommunalwahl im März 2016 erhielt die AfD in Neu-Isenburg über zwölf Prozent.

Kann Integration gelingen? Das wollen wir auf hessenschau.de in den kommenden Wochen und Monaten am Beispiel Neu-Isenburg herausfinden.

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