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Spurensuche: Unterwegs mit Urbexern im verlassenen Bad Homburger Kreiskrankenhaus

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Die Spitze des Messers ist rostig, am Ablauf Spuren
einer eingetrockneten Flüssigkeit, der Edelstahl des Seziertisches glänzt im Neonlicht - Gordon stellt scharf, die Spiegelreflexkamera klickt.

Gordon ist Urbexer - Urban Explorer, was so viel heißt wie "Stadterkunder". Mit einem Freund ist er tief in das stillgelegte Kreiskrankenhaus in Bad Homburg gestiegen. Im Untergeschoss, nach endlosen Gängen, haben sie die Pathologie erreicht. Hier wurden jahrzehntelang Menschen obduziert. Gorden schaut, dass er nichts anfasst. "Das ist ein Leitspruch von uns, dass wir nichts hinterlassen, außer Fußspuren", sagt er. Alles soll so bleiben, wie es war - Urbexer suchen das Unverfälschte.

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Gordon und Kevin erforschen in ihrer Freizeit alte Industrieanlagen, verlassene Wohnhäuser, Sanatorien und Kasernen. Die beiden 28-Jährigen nennen sich "Urbex Wetterau". Urbex steht für Urban Exploration. Andere Gruppen in Hessen heißen "Lost Places Rhein-Main" und "Lost Places" Hessen. Die Urbex-Szene ist aktiv in Hessen.

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Gordon: "Ein Lost Place muss Verfall haben"

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Urbexer sind fasziniert von verlassenen Orten. "Ein richtiger Lost Place muss einen natürlichen Verfall haben - dass der Putz von den Wänden kommt, dass die Decken vielleicht schon weg sind, dass Schimmel irgendwo ist", sagt Gordon.

Schimmel ist in dem im März 2014 stillgelegten Krankenhaus zwar noch nicht zu sehen - Momente des Verfalls aber schon, wie etwa im Treppenhaus.

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Kevin: "Der Reiz des Illegalen"

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Für die Frankfurter Städtebauprofessorin Maren Harnack  folgt die Faszination an Urban Exploration einer logischen Entwicklung: "Seit Jahren werden Industriegebäude für kulturelle Zwecke umgenutzt , weil sie eine Art von Authentizität vermitteln. Beim Urbexen geht es darüber hinaus um Orte, die gar nicht genutzt werden - die haben eine spezielle Ästhetik und Anziehung, auch weil da nicht jeder hinkann."

Das bestätigt auch Kevin, wenn er sagt, dass es auch um den Reiz geht, illegal an einem verlassenen Ort herumzurennen. Das ist dann Hausfriedensbruch. Das weiß auch Gordon, der für eine Sicherheitsfirma arbeitet. Für den Besuch im Bad Homburger Kreiskrankenhaus war hingegen ein Hausmeister dabei. Bei der zweiten Anfrage hatten die Urbexer die Erlaubnis erhalten, das Gebäude zu erforschen.

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Die ältesten Teile des Bad Homburger Kreiskrankenhauses stammen aus den 1940er Jahren. Irgendwann wurde es zu klein und war nicht mehr zeitgemäß. Nun steht es leer.

Wichtig für die Urbexer ist auch die  Dokumentation des verlassenen Ortes: "Urbexen heißt ja auch für die Nachwelt erhalten", sagt Gordon.

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Der Wind weht kalt durch die Räume. Fassaden und Türe sind  nicht mehr intakt.  Doch in den ehemaligen Operationssälen hängen noch Lampen  - als  warteten sie auf den nächsten Patienten. Gordon und Kevin jagen aufgeregt von Raum zu Raum, schießen ein Foto nach dem anderen, meistens Langzeitbelichtungen mit Stativ.

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Der Kreißsaal. Noch mit Strom versorgt.
Neben der Tür leuchten Schalter.

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Auch die Lampen im Kreißsaal erscheinen noch einsatzbereit. Wie vielen Neugeborenen mögen sie das erste Licht geworfen haben?

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Bezogene Betten, Nachttisch, Medikamentenflaschen: Ein Flur im Bad Homburger Kreiskrankenhaus ist noch komplett eingerichtet. Der Kreis vermietet die Räume an Filmgesellschaften. Hier wurden Szenen für Kinofilme wie "Drei Türken und ein Baby" und für den Tatort "Hinter dem Spiegel" gedreht. "Ein Highlight", freut sich Gordon.



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Gordon: "Zum Urbexer gehört auch Recherche"

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Ein Rucksack voller Objektive, stabiles Stativ,  teure Spiegelreflexkamera - wer ein richtiger Urbexer sein will, braucht eine gute Ausrüstung. Die Bilder sollen schließlich toll werden.

"Man möchte ja auch Anerkennung dafür haben", sagt Kevin. Die Urbexer stellen ihre Bilder ins Netz. Dazu gehört auch eine anständige Recherche, wie Gordon erklärt. Städtebauprofessorin Harnack spricht von einem "ästhetischen Anspruch" der Bilder. "Ich kann mir schon vorstellen, dass sie wie Trophäen funktionieren", sagt sie.

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Urbexer suchen also Trophäen - und da kann schon mal ein einfaches Telefon Objekt der Begierde sein. Hauptsache es befindet sich im authentischen Umfeld: in einem Lost Place, einem verlassenen Ort - hier in der ehemaligen Cafeteria des Krankenhauses.

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Und das ehemalige Kreiskrankenhaus in Bad Homburg? Nach derzeitigem Stand soll es abgerissen werden. An seiner Stelle soll ein innerstädtisches Wohngebiet entstehen. Ein paar hundert Meter weiter hat inzwischen ein größeres, moderneres Kreiskrankenhaus seinen Betrieb aufgenommen.








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