Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Wie Frankfurt auf den Klimawandel reagiert

Logo https://www.reportage.hessenschau.de/klimawandel

Fünf Mal so viele heiße Tage könnte es in Hessen bis zum Jahr 2100 geben. Also fast 30 Tage Hitze pro Jahr. Das prognostizieren Wissenschaftler, selbst wenn alle Länder ihre Zusagen vom Pariser Klimagipfel einhalten sollten.

Besonders in den Städten, wo sich die Hitze staut, wäre die Belastung dadurch enorm. Und auch die extremen Wettereignisse sollen zunehmen.

Das hat Folgen - für Pflanzen und Tiere, und für die Gesundheit der Städter. Frankfurt hat sich auf die Problematik eingestellt - und arbeitet daran, dass die Stadt lebenswert bleibt.

Eine Multimedia-Reportage von Tanja Stehning mit Material von Stephanie Krüger (alles wissen)

Zum Anfang

Grafik hei%c3%9fetage zusammen q
Die Zahl der heißen Tage pro Jahr wird laut Prognosen stark zunehmen. Der Vergleich zeigt den Durchschnitt pro Jahr in Hessen 1971 bis 2000 (links) und die Prognose für 2071 bis 2100. Zum Vergrößern auf das Bild klicken. (Grafik: Umweltatlas, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie)
Vollbild

Die Temperaturen in Hessen werden steigen. Das steht für Heike Hübener vom Fachzentrum Klimawandel des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie fest. „Heiße Tage mit 30 Grad oder mehr werden in Zukunft häufiger auftreten“, sagt die Wissenschaftlerin.

Die linke Grafik zeigt: in den Jahren 1971 bis 2000 wurden in Hessen im Mittel 5,6 heiße Tage pro Jahr gemessen. Diese Zahl wird laut den Prognosen deutlich steigen, selbst wenn weiter am Klimaschutz gearbeitet wird.
100 Jahre später, also 2071 bis 2100, wird es durchschnittlich 21,5 heiße Tage pro Jahr zusätzlich geben.

Einige Gegenden in Hessen kommen dabei gut weg, wie die rechte Grafik zeigt. Gerade rund um Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt wird es allerdings noch öfter heiß werden.

Grafik hei%c3%9fetage zusammen q
Die Zahl der heißen Tage pro Jahr wird laut Prognosen stark zunehmen. Der Vergleich zeigt den Durchschnitt pro Jahr in Hessen 1971 bis 2000 (links) und die Prognose für 2071 bis 2100. Zum Vergrößern auf das Bild klicken. (Grafik: Umweltatlas, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie)
Schließen
Zum Anfang

Grafik klimaplanatlas solo
Zum Vergrößern auf das Bild klicken. (Grafik: Klimaplanatlas Frankfurt)
Vollbild

Wenn es in Hessen wärmer wird, trifft es besonders Frankfurt extrem. In der Innenstadt kann es bis zu 10 Grad wärmer sein als im Umland. Schuld daran sind enge Häuserschluchten, viel Beton und Asphalt und fehlendes Grün. Der Stadtkern wird im Sommer zur Hitzeinsel.




























Zum Vergrößern auf das Bild klicken. (Grafik: Klimaplanatlas Frankfurt)

Grafik klimaplanatlas solo
Zum Vergrößern auf das Bild klicken. (Grafik: Klimaplanatlas Frankfurt)
Schließen
Zum Anfang

Peter Dommermuth, Leiter des Umweltamts Frankfurt

0:00
/
0:00
Audio jetzt starten

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert, dass die Zahl der Sommertage (25 Grad oder mehr) in der Innenstadt deutlich steigen wird: bis 2050 auf bis zu 75 Tage pro Jahr. Heute sind es nur 44 Tage. Das ist auf Dauer nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich, warnt Peter Dommermuth, Leiter des Umweltamts Frankfurt.

Audio öffnen

Zum Anfang

Aber es wird nicht nur heißer. Experten erwarten, dass die Winter milder werden. Und noch etwas soll sich ändern: "Im Sommer nimmt der Niederschlag ab, im Winter nimmt er zu", sagt Heike Hübener. Lange Trockenperioden im Sommer wären die Folge.

Auf der anderen Seite werden sich extreme Wetterereignisse  laut Klimaexperten häufen. Starkregen lässt Flüsse wie den Main anschwellen und führt im schlimmsten Fall zu Überschwemmungen.

Zum Anfang

Die Hitze macht besonders den Jungen und den Älteren zu schaffen. Im Rekordsommer 2003 gab es deutschlandweit etwa 7.000 Hitzetote.

Zu gesundheitlichen Problemen führen aber noch andere Nebenwirkungen des Klimawandels. Durch mildere Temperaturen werden Allergiker mit längeren Blühperioden zu kämpfen haben - und mit ganz neuen Pollen. Wie zum Beispiel mit denen der Ambrosia-Pflanze, die sich in Ober-Italien schon ausgebreitet hat und dort inzwischen bei den Allergie-Auslösern ganz oben steht. Auch hier ist sie auf dem Vormarsch.

Weiterer Faktor: neu eingewanderte Tierarten wie der Eichenprozessionsspinner, der in Frankfurt seit einigen Jahren aktiv bekämpft wird. Im Raupenstadium besitzt der Falter Brennhaare, die Hautreizungen auslösen können.

Zum Anfang

Wenn es trockener und heißer wird, leiden auch heimische Tiere und Pflanzen. Fast 85 % der Bäume im Frankfurter Stadtwald wurden durch die extremen Bedingungen im Sommer 2015 geschädigt.

Dazu kommen Schäden durch extreme Wettereignisse wie Gewitter, Stürme oder Hagel.

Auch die Einwanderung neuer Arten macht der heimischen Flora und Fauna zu schaffen. Rosskastanien hatten zum Beispiel kaum natürliche Schädlinge, bis die
Kastanienminiermotte zu uns einwanderte. Ihre Larven bilden Freßgänge in den Blättern, die dadurch schon im Sommer verwelken.

Zum Anfang

Der Überwärmung in der Innenstadt kann man durch verschiedene Maßnahmen entgegenwirken. Wichtig ist vor allem die Versorgung mit Kalt- und Frischluft von außerhalb. Dafür müssen die Belüftungsschneisen erhalten bleiben (s. Grafik).

Pflanzen kühlen die Luft automatisch dadurch, dass in ihren Blättern Wasser verdunstet. Wälder, Parks und Gärten sind deswegen entscheidend für ein gutes Stadtklima. Und noch einen Vorteil haben bepflanzte Bereiche: hier kann Wasser versickern.

Außerdem gibt es noch kleinere Maßnahmen, die für weniger Aufheizung sorgen, wie zum Beispiel ein heller Anstrich für die Fassaden oder hellere Straßen.

Interessante Beispiele aus Frankfurt finden Sie auf den folgenden Seiten.

Zum Anfang

An der Konstablerwache kann es im Sommer unerträglich heiß werden. Schatten gibt es wenig, dafür aber viel Beton, Pflastersteine und Asphalt.

Die Uni Kassel hat untersucht, wie man diesen Platz durch Bäume und Begrünung der Fassaden und Dächer abkühlen könnte. Dabei haben die Wissenschaftler Erstaunliches herausgefunden: Pflanzen könnten die gefühlten Temperaturen hier um 6 bis 8 Grad senken.

Zum Anfang

"Urban Gardening", das Gärtnern in der Stadt, ist vor einigen Jahren zu einer kleinen Bewegung geworden. Freie Flächen in der Stadt werden genutzt, um eigenes Gemüse und Obst anzubauen. Selbst zubetonierte Plätze werden genutzt und mit bepflanzten Blumenkübeln, Kisten und Reissäcken begrünt.

Organisiert werden die Gärten meist von Privatleuten. Das Grünflächenamt unterstützt die Projekte aber durch die Vermittlung von Interessierten und stellt außerdem Flächen zur Verfügung.

Zum Anfang

Im Neubaugebiet am Riedberg hat man bewusst eine große Fläche zwischen den einzelnen Wohnblöcken frei gelassen.

Der Grünstreifen hat gleich mehrere Funktionen: Sollte es zu Starkregen kommen, kann das Wasser dort versickern. Was zu viel ist, kann über den Hang natürlich abfließen.

Außerdem kann über die unbebaute Fläche Kaltluft aus der Umgebung Richtung Stadt strömen.

Zum Anfang

An der neuen Europäischen Zentralbank im Frankfurter Osten ist das Gebiet "Hafenpark" entstanden.

Dort findet man nicht nur Grünflächen, sondern auch Wohnhäuser, die mit reichlich Abstand zueinander gebaut wurden.

Beides ist wichtig, damit die kühle Frischluft vom Main ungehindert in die Innenstadt gelangen kann und dort vor allem im Sommer für Abkühlung sorgt.

Zum Anfang

Nicht nur Parks, Dächer und Fassaden werden in Frankfurt begrünt. Auch rund um Straßenbahngleise, wie hier an der Messe, wird zum Teil Rasen gepflanzt.

Das sorgt nicht nur für ein besseres Stadtklima, sondern bietet auch eine Fläche, auf der Wasser besser versickern kann.

Zum Anfang

Viele unserer heimischen Bäume verkraften die hohen Temperaturen und längeren Trockenphasen, die Experten erwarten, nur schlecht.

Deswegen wird im Rahmen des „South Hesse Oak Project (SHOP)“ an verschiedenen Standorten getestet, wie gut ihre südeuropäischen Verwandten mit dem hessischen Klima klar kommen. Sie sind trockenresistenter als viele unserer Arten. Im Wissenschaftsgarten am Riedberg werden derzeit zum Beispiel verschiedene mediterrane Eichenarten untersucht.



In Frankfurt wird also einiges getan, um die Folgen des Klimawandels für die Einwohner abzumildern und sich auf das vorzubereiten, was laut Wissenschaftlern auf uns zukommt. Weitere Maßnahmen, wie der Bau von Trinkbrunnen und die Verbesserung der Hochwasservor-sorge, sind in Planung.

Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden