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Holland statt Hessen

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Tulpen, Fahrräder, Windmühlen und leckerer Käse. So stellen wir Deutschen uns gern die Niederlande vor. Unser Nachbarland gilt als fortschrittlich, effizient und liberal - die Menschen als offen und immer freundlich.

Wie Holland wirklich ist, konnte ich jetzt selbst erleben. Zwei Monate lang lebte und arbeitete ich in Rotterdam, der zweitgrößten Stadt der Niederlande, als Teilnehmerin eines Journalistenaustausches.

Ich habe mich in Holland sehr wohl gefühlt. Aber einige Eigenheiten haben mich doch sehr verwundert. Meine Tops und Flops: Klicken Sie weiter!

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Mit der Bankkarte kann man in den Niederlanden so gut wie überall bezahlen. Einen Mindestbetrag von zehn Euro, wie ich es aus Frankfurt kenne, gibt es nicht. Selbst ein Kilo Erdbeeren auf dem Wochenmarkt - gar kein Thema.

Bargeld spielt fast keine Rolle mehr. In einigen Supermärkten, Cafés und Geschäften kann sogar gar nicht mehr bar bezahlt werden. Das geht mir allerdings einen Schritt zu weit.

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Das "Fiets" gehört zum niederländischen Kulturgut wie Clogs und Käse. Und auch der Nachwuchs übt sich früh. Kaum können die Kleinen sitzen, werden sie per Rad transportiert - eines vorne, das andere hinten, selbst bei strömendem Regen und Wind. Auch der Kinderwagen wird oft mitgenommen und durch spezielle Aufsätze direkt ans Rad gehängt.

Radwege sind deutlich von der Straße getrennt - farblich und räumlich. Ich habe mich dadurch als Radfahrer immer sicher gefühlt - ganz anders als in Frankfurt!

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Eine Fünf-Tage-Woche ist in den Niederlanden total out. Vor allem bei jungen Familien. Viele arbeiten nur noch drei oder vier Tage in der Woche, sowohl Männer als auch Frauen. Einen Tag in der Woche widmen sie dem Kind.

Darauf sind auch die Kitas ausgelegt. Väter werden so aktiv in die Kindererziehung eingebunden und auch die meisten Mütter gehen arbeiten. Familie und Karriere lassen sich so für beide Eltern ideal vereinbaren.

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Egal ob im Café oder im Regionalzug: WLAN ist fast überall zugänglich - und so gut wie immer kostenlos. Selten braucht man dafür extra ein Passwort und wenn doch, dann steht es offen in der Speisekarte. Auch am Flughafen ist kostenloses Surfen möglich.

Warum sich die Deutschen damit immer noch so schwer tun, kann ich wirklich nicht begreifen.

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Zwar ist Rotterdam keine typisch niederländische Stadt - Grachten wie in Amsterdam und Utrecht gibt es hier nicht. Dafür gibt es einen massiven Fluss, über den manchmal sogar riesige Kreuzfahrtschiffe schippern. Das ist ziemlich beeindruckend.

In der Stadt gibt es auch noch einen See, auf dem bei schönem Wetter kleinere Segelboote fahren. Umringt von einem großen Park vergisst man schnell, dass man sich mitten in der Stadt befindet.

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Doch es gibt auch Dinge, die in Hessen viel schöner sind. Schokostreusel zum Frühstück kann man als Deutscher ja gerade noch so wegstecken, aber spätestens beim Brot hört der Spaß auf. Brot kauft der Holländer im Supermarkt, Bäckereien gibt es kaum.

Und das holländische Brot schmeckt - offen gesagt - ähnlich wie recyceltes Papier. Dass die Holländer davon dann auch noch so viel essen, hat mich umso mehr überrascht. Statt warmer, üppiger Mahlzeit wie bei uns gibts mittags nur Brot mit Käse - und das jeden Tag.

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Fünf Euro für eine Stunde parken - und das bis 23 Uhr und selbst an Sonn- und Feiertagen! Das ist in holländischen Großstädten normal. Während ich in Frankfurt selbst in der Innenstadt in einigen Straßen kostenlos parken kann, zahlt man in Rotterdam sogar im Industriegebiet fürs Parken.

Ohnehin ist ein Auto in Holland ziemlich teuer, vor allem im Hinblick auf die Steuern. Ein Mittelklassewagen wie ein BMW 1er Diesel schlägt zum Beispiel mit rund 116 Euro KFZ-Steuer zu Buche - monatlich.

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Der Hausarzt ist immer der erste Ansprechpartner - egal welcher Art die Beschwerden sind. Er ist Orthopäde, Kinderarzt und Gynäkologe in einem. Erst bei ernsten Beschwerden überweist er an einen Facharzt im Krankenhaus.

Problematisch wird das System insbesondere dann, wenn man sich von seinem Hausarzt nicht ausreichend versorgt fühlt. Denn ein Wechsel ist zwar nicht verboten, aber durch die Bindung an den Wohnbezirk nicht gerade einfach.

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Am meisten verwundert hat mich, dass es in Rotterdam Spielplätze gibt, die Eintritt kosten. Wohlgemerkt nicht alle, aber vor allem für die Größeren müssen Eltern 50 Cent pro Kind hinblättern.

Sowieso müssen Eltern tief in die Tasche greifen, denn Kinder zahlen häufig schon ab zwei Jahren den vollen Preis. Für einen Tag im Freizeitbad ist man als dreiköpfige Familie schnell bis zu 60 Euro los.

Wie die Familien das regeln, weiß ich nicht. Denn durchschnittlich haben die Niederländer netto auch nicht mehr Geld als wir.

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Mein Fazit? Holland hat mir sehr gut gefallen. Gerade auch, dass Niederländer sich im Vergleich zu uns Deutschen weniger mit Problemen, sondern mehr mit Lösungen beschäftigen. "Alles kommt goed" oder auf Deutsch "Es wird schon werden", scheint das allgemeine Lebensmotto zu sein.

Übel aufgestoßen sind mir dagegen die hohen Kosten - etwa für Autobesitzer. Dauerhaft dort zu leben kann ich mir nicht vorstellen. Es ist aber ein Land, von dem wir viel lernen können - zum Beispiel in Sachen "Papa-Tag" oder den besseren Bedingungen für Radfahrer.

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