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10 Jahre Friedberger Markt

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Ein ganz normaler Wochenmarkt wird jeden Freitag zu Frankfurts größter After-Work-Party unter freiem Himmel. Unorganisiert. Mitten in der Stadt am Friedberger Platz. Eine Reportage über verärgerte Anwohner, Wildpinkler und Liebesbeziehungen.

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Tagsüber treffen sich auf der Wiese am Markt Familien mit Kindern zum Picknick, abends kommen dann die Massen. An warmen Tagen bis zu 4.000 Leute. Der Friedberger Markt hat sich zum Treffpunkt für Nachbarn und zum Kuppelmarkt entwickelt. Wer Single ist, kommt hier her.

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Für Inhaber Philipp Hensel ist der Markt in erster Linie ein Ort, an dem Leute ins Gespräch kommen. "Hier treffen 17- auf 70-Jährige", sagt er. Vor etwa zwei Jahren hat sich ein Paar an seinem Stand kennengelernt und später geheiratet. "Nach dem Standesamt haben die beiden dann bei mir am Kartoffelstand gefeiert." Sowas erlebt man nur hier, sagt er und lacht.

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Nicht verheiratet, aber ein Paar sind Andra Knöpfle (34) und Christian Pfälzer (29). Zwischen Wurstbude und Weinstand haben sie sich kennengelernt. Zwei Jahre ist das her. "Der Markt ist eine super Plattform. Ohne ihn würden wir uns nicht kennen", sagt Pfälzer. Er hat damals Freunde dabei gehabt, sie ihre Nachbarin. Die wiederum kannten sich - so fing alles an. Wie einfach sich hier Leute im dichten Gedränge kennenlernen können, weiß Knöpfle: "Ich schleppe meine Single-Freundinnen auch hier her."

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Selbst Leute aus dem Umland kommen nach der Arbeit her, um die Woche ausklingen zu lassen. So wie Natalie Bergmann und ihre Freunde aus Hanau und Offenbach. "Man lernt immer wieder Freunde von Freunden kennen", sagt sie. Es sei wie ein Straßenfest mitten in der Großstadt.

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Georg Jakob (l.) liebt den Markt, weil er ungezwungen ist. "Arbeit, Alter - das interessiert hier keinen", sagt er. Es gibt keinen Dresscode. Jeder kommt, wie er will. Die Leute seien deutlich weniger versnobt als in anderen Frankfurter Locations.

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Von dem Andrang profitiert Rukan Faisal (r.). Er leitet den Kiosk gegenüber des Platzes. Um für die Menschenmassen gerüstet zu sein, lässt er sich vor Marktbeginn extra beliefern. "Wenn das Wetter gut ist, mache ich freitags mehr als doppelt so viel Umsatz wie an anderen Tagen", sagt er. 20 bis 25 Kästen Bier gingen da schon mal über die Theke.

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Für viele ist die Massenansammlung ein Event - doch bei einigen Anwohnern liegen die Nerven blank. In den ersten Jahren feierten die Besucher teilweise bis tief in der Nacht. 2011 klagte eine Anwohnerin mit dem Ziel, den Markt verbieten zu lassen. Die Klage wurde abgewiesen. Der Frust blieb, wie eine Szene aus dem Jahr 2013 zeigt ...

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Walter Lulay wohnt hier seit 1980 und vertritt die Interessen der Anwohner. "Es gibt hier einige, die traumatisiert sind", sagt er. Manche sind schon weggezogen - auch wegen des Mülls. Der angrenzende Bäckerweg sei zur "Pinkelrinne" mutiert. Vor allem in der Vergangenheit, als es zu wenige Dixis am Platz gab, pinkelten dort einfach viele Marktbesucher in Vorgärten. "Der Markt ist ein Selbstläufer geworden, total gehypt. Selbst in japanischen Reiseführern findet man ihn als Tipp." Sein Ziel ist es, dass langfristig weniger Menschen hierher kommen. "Dann haben wir auch keinen Konflikt mehr."

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2011 der radikale Umbruch: Um die Massen fernzuhalten, verlegt der frühere Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) den Markt auf Mittwoch. "Das hatte wirtschaftlich üble Folgen für uns", sagt Fischhändler Christoph Zimprich. Andere Händler sagen, sie hätten das kein Vierteljahr mehr durchgehalten: "Wir haben draufgezahlt." Steins Nachfolger Markus Frank (CDU) macht den Schritt nach einem halben Jahr wieder rückgängig.

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Um den Markt zu retten, einigen sich Anwohner und Marktbefürworter auf einen Konsens. Ab 22 Uhr kommt die Stadtreinigung und säubert den Platz - und wirft die Marktbesucher raus. Das Motto "Wir geh'n um zehn!" wird von einem Großteil der Leute eingehalten. Spätestens gegen 23 Uhr ist der Markt quasi leer.

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Olaf Ingebrandt verkauft hier seit acht Jahren Wein. Er hat den Wandel mitbekommen. "Der Markt ist viel vernünftiger geworden", sagt er. Die Leute würden sich die Regeln gegenseitig beibringen, damit der Markt weiter existieren kann. Die meisten halten sich dran, sagt er. "Die Polizei musste noch nie einschreiten."

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Geklärt ist der Konflikt dennoch nicht. Am ersten warmen Tag in diesem Jahr ist auf dem Platz die Hölle los. Die Wiese gleicht am späten Abend einem Schlachtfeld. "So krass hab ich es schon lang nicht mehr erlebt", sagt einer der Straßenreiniger. Und damit geht die Diskussion um die Feier auf dem Friedberger Markt weiter.

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