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Los geht's

Wo Frankfurt wächst - und an seine Grenzen stößt

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Vor 20 Jahren startete das Projekt Riedberg: Ein neuer Stadtteil für Frankfurt. Mittlerweile leben dort mehr als 10.000 Menschen.

Doch Frankfurt wächst weiter - und damit auch die Wohnungsnot. Unweit des Riedbergs soll nun ein neuer Stadtteil für bis zu 30.000 Menschen entstehen.

Das könnte die Wohnungsnot in der Stadt lindern- doch zu welchem Preis?

Eine Multimedia-Reportage von Sophia Averesch


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Riedbergerin Uta Goretzky

Uta Goretzky wohnt seit fünfzehn Jahren auf dem Riedberg. Sie und ihr Ehemann hatten sich schon früh entschieden, an Frankfurts neuen Stadtrand im Nordwesten zu ziehen.

Dabei war Wohnen im Neubaugebiet eigentlich nicht die Traumvorstellung der selbstständigen Unternehmerin. Das Ehepaar suchte zuerst in der Innenstadt. Aber: "Wir wollten mehr Platz und etwas Eigenes. Auf dem Riedberg war das möglich."

2002 zog das Ehepaar aus ihrer Wohnung im Frankfurter Nordend aus. Das weiße Reihenhaus auf dem Riedberg wurde ihr neues Zuhause. Doch gerade die Anfangsjahre wurden zur Herausforderung.

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Wochenmarkt Riedberg

Was am Anfang in dem neuen Stadtviertel fehlte, war die Infrastruktur.

Sechs Jahre lang musste Uta Goretzky zum Einkaufen über die Autobahn fahren. Schnell zu Fuß zum Supermarkt um die Ecke? Vollkommen ausgeschlossen. "Es gab keine Kneipe, kein Café. Alles musste man mit dem Auto erledigen", erinnert sich Anwohnerin Uta Goretzky.
Einziger Lichtblick: Jeden Freitag- und Samstagmorgen öffnete ein Bäcker einen kleinen Verkaufswagen. Am Sonntag hatte er aber schon wieder zu. 

Das hat sich geändert. Inzwischen gibt es ein Einkaufszentrum, einen Wochenmarkt, Restaurants und Cafés.



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Fahrgäste an der Haltestelle "Uni Campus Riedberg"







Wer vom Riedberg vor 2010 in die Frankfurter Innenstadt wollte, musste eine kleine Weltreise unternehmen.

Nun ist der Stadtteil an das U-Bahnnetz der Stadt  angebunden. Die Shoppingmeile "Zeil" ist nur noch gut 20 Minuten vom Riedberg entfernt.

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Neubau Gymnasium Riedberg

Das Riedberg war als Familiensiedlung konzipiert. Denn der neue Stadtteil sollte verhindern, dass zahlungskräftige Frankfurter ihre Steuerkraft ins Umland verlagerten, wie Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagt.

Doch viele Familien vermissten dort lange Zeit ein attraktives Schulangebot für ihre Kinder. Erst 2013 konnte das Gymnasium Riedberg in sein neues Gebäude ziehen.

Inzwischen lernen hier 1.500 Schüler. Der Schwerpunkt liegt auf Naturwissenschaften und Internationalität. Der Unterricht in Fächern wie Mathe, Erdkunde und Biologie ist auf Englisch.


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"Wir Riedberger wurden alle hierhin gespült"

Uta Goretzky, Anwohnerin

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Anwohnerin Uta Goretzky
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Vorher/Nacher Ansicht

Der Vergleich: Von 2000 auf 2016

Als der Riedberg geplant wurde, gab es Proteste: Landwirte wollten ihr Land nicht hergeben und Nachbarkommunen fürchteten um ihr Naherholungsgebiet. Dazu kam die Sorge, dass das neue Viertel die Frischluftzufuhr aus dem Taunus aufhält.

Doch inzwischen hat sich die Aufregung gelegt. Der Riedberg ist zu einem begehrten Frankfurter Stadtteil geworden.

Klar ist aber: Wenn die Progonosen für die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Frankfurt zutreffen, dann reicht der Riedberg nicht mehr aus. Deswegen plant die Stadt im Nordwesten einen weiteren neuen Stadtteil.


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Video: Bevölkerungsprognose Frankfurt
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"Erst die Infrastruktur, dann die Wohnungen"

Peter Feldmann (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt

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Oberbürgermeister Frankfurt Peter Feldmann

Beim Riedberg lief nicht alles nach Plan. Daraus will der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für das neue Projekt seine Lehren gezogen haben.

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Acker



Noch fahren hier Trecker, gelegentlich kommt ein Jogger vorbei. Doch schon bald soll hier südwestlich vom Riedberg in Richtung Taunus ein neuer Stadtteil entstehen. Bis zu 30.000 Menschen sollen hier dann einmal leben - doppelt so viele Einwohner, wie auf dem Riedberg einmal geplant waren.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) spricht vom "neuen Nordend" - einem der beliebtesten Wohnviertel in Frankfurt. Das neue Stadtviertel soll aber bezahlbar bleiben - so die Vorstellung der Planer: Ein Viertel für die "Krankenschwester, den Polizisten, die Erzieherin", wie Feldmann verspricht. Mit 40 Prozent gefördertem Wohnraum.

Wie damals beim Riedberg formiert sich allerdings  Widerstand - zudem gibt es einige ungelöste Probleme...

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Autobahn A5









Es ist die Lage des neuen Stadtviertels, die für Proteste sorgt. Eine der Sorgen: Die vielbefahrene A5 zerschneidet das neue Viertel. Die Frage ist, wie unter diesen Bedingungen ein Stadtteil zusammenwachsen kann - zumal die Autobahn noch ausgebaut werden soll. "Das ist nicht einfach", bestätigt Stadtplaner Michael Peterek.

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Klimaplanatlas Frankfurt

Für die Umwelt kann das neue Stadtviertel gravierende Folgen haben.

Klimaforscher und Meteorologen befürchten, dass Frankfurt an seinem neuen Stadtviertel erstickt. Sie prognostizieren, dass sich das Klima in der Frankfurter Innenstadt durch die Bebauung aufheizen wird. Momentan sorgt das neue Stadtviertel für Frischluft aus dem Taunus. Im Frankfurter Klimaplanatlas gilt die Fläche als "Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiet".

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"Das ist das Wertvollste, was man Landwirten nehmen kann"

Richard Bickert, Landwirt in Oberursel

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Landwirt Richard Bickert




Landwirte wie Richard Bickert müssen für das neue Viertel ihr Land hergeben. Doch sie wollen das nicht - denn sie fürchten um die Existenz ihrer Betriebe.

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Stefan Naas (FDP)

Bürgermeister der Stadt Steinbach (Audio)

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Bürgermeister von Steinbach Stefan Naas (FDP)

Der geplante Stadtteil grenzt an Steinbach im Taunus. Bürgermeister Stefan Naas (FDP) fordert, dass die Großstadt auf der einen Seite der A5 bleibt. Er hat Angst vor einem sozialen Brennpunkt - gleich vor den Toren seiner Stadt: "Wir haben die Sorge, dass die Mischung nicht zu uns passt."

Auch die Nachbarstadt Oberursel will einen Korridor zwischen sich und Frankfurt.

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Michael Peterek

Professor für Städtebau und Entwerfen an der Frankfurt University of Applied Sciences (Audio)

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Stadtplaner Michael Peterek

Frankfurt zieht immer mehr Menschen an. Doch wie kann das Wachstum organisiert werden?

Verdichten ist eine Möglichkeit. Aber das reicht nicht mehr, wie Stadtplaner Michael Peterek sagt. "Die Stadt muss auch Flächen auf der grünen Wiese nutzen."

Dabei sei unvermeidlich, dass einige verlieren würden, damit viele profitieren. Diesen Abwägungsprozess müsse die Stadt vornehmen.

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Park mit Ausblick auf den Taunus


Die Stadt Frankfurt steckt in einem Dilemma: Gefordert wird bezahlbarer Wohnraum - doch wenn die Stadt neue Viertel plant, stößt sie auf Widerstand, bei Anliegerkommunen etwa.

Nichtstun ist wohl aber keine Alternative. Wenn die Stadt nichts gegen die steigende Wohnungsnot unternimmt, dann werde die Schere zwischen Arm und Reich noch größer, sagt Stadtplaner Michael Peterek.

Frankfurt wächst. Eine Lösung, die niemandem wehtut, kann es offenbar nicht geben.

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Redaktion: Sophia Averesch

Kamera: Sophia Averesch, Sven Bader (Copter)
 
Grafik: Kerstin Henninger

Schnitt: Corinna Klingler

Luftaufnahmen auf Seite 9 & Seite 12: Mit freundlicher Genehmigung des Stadtvermessungsamts Frankfurt

Illustrationen: colourbox.de

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